Ohne Überweisung zum Facharzt

Zwei Drittel aller Patienten gehen ohne Überweisung zum Facharzt. Das Ergebnis einer Versichertenbefragung durch die „Forschungsgruppe Wahlen“ im Auftrag der KBV ist nun wirklich nicht überraschend. Jeder, der etwas mit Arztpraxen zu tun hat, wird die Zahl sogar höher schätzen.

Seit die Praxisgebühr abgeschafft wurde, verzichten die Menschen auf das Stück Papier. Mehr war es aber auch vorher nicht.

Der Überweisungsschein ist nicht und war nie Nachweis ärztlicher Kooperation. Die schöne Illusion, dass sich der Patient brav zunächst bei seinem Hausarzt vorstellt, um dann ggf. zum Facharzt überwiesen zu werden, funktioniert schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr in Deutschland; spätestens seit wir die Krankenscheinhefte abgeschafft haben, die gerade mal einen Schein pro Quartal vorsahen.

Die Krankenversichertenkarte haben die Patienten als Freifahrschein verstanden.

Und egal wie Gesundheitspolitiker dagegen steuern wollen, der deutsche Patient entscheidet autonom. Dass das unangenehme Nebenwirkungen hat, weiß jeder. Die Kooperation und Kommunikation der Ärzte untereinander kann so nicht funktionieren.

Der Versuch über die Praxisgebühr gegen zu steuern hat nur formal gewirkt. Wer sich mal den Spaß gemacht hatte, sich zu Anfang eines Quartals in eine hausärztliche Praxis zu stellen, konnte die Patientenschlangen beobachten, die nur zum Abholen der Überweisungen anstanden. Da ging es nicht nur um zwei oder drei Überweisungen, sondern auch mal um acht oder zehn. Die Praxisgebühr ist – aus gutem Grund – längst wieder abgeschafft.

Dieses Recht auf eigene Entscheidung, lassen sich Patienten auch nicht so ohne weiteres nehmen. Die mit gutem Bildungsniveau sowieso nicht. Das heißt aber nicht, dass sie nicht den Hausarzt schätzen. Aber in bestimmten Fällen, wollen sie eben keinen Umweg machen.

Das ändert sich, wenn der Mensch chronisch krank, multimorbide und älter wird. Dann wird der Hausarzt mit hohem Versorgungsniveau und guter Kooperation mit Fachärzten und Klinikkollegen plötzlich wichtiger. Und dann funktioniert das Miteinander der Ärzte auch viel besser.

Müssen wir daran etwas ändern? Müssten wir den Patienten in deren eigenem Interesse zwingen, immer erst den Hausarzt aufzusuchen, bevor er in die Facharztebene darf? Sinn machen würde das nur, wenn wir ihn dann auch zwingen, dass alles was der Facharzt für ihn tut, auch dem Hausarzt kommuniziert werden muss. Also Zwang für Facharzt und Patient und schließlich auch für den Hausarzt, der das dann alles lesen und dokumentieren muss. Die Gefahr besteht, dass sich dann zwar einige Kommunikationsdefizite beseitigen lassen, aber neue an anderer Stelle auftun.

An der Stelle kommt dann gleich wieder die Diskussion auf „Abschaffung der zweiten Facharztebene“ – also Abschaffung vertragsärztlicher Facharztpraxen. Nehmen wir dem Patienten die freie Wahl, indem wir die Fachärzte aushungern. Ambulante fachärztliche Versorgung überwiegend am Krankenhaus als Alternative. Na prima, spätestens dann hätten wir wirklich Zwei-Klassen-Medizin. Wer es sich leisten kann, ginge dann ganz sicher nicht in die Krankenhaus-Ambulanz.

Der Überweisungsschein wird weiterhin sein stiefmütterliches Dasein fristen. Ärzte und Patienten nehmen ihn nicht ernst. Kooperation zwischen Haus- und Facharzt findet trotzdem statt – zum Beispiel in Praxisnetzen, die für ein enges Miteinander sorgen.

Online-Classes – ein Selbstgänger für die junge Generation

Das Internet und die Sozialen Medien verändern unser Leben nachhaltiger, als wir das selbst wahrnehmen. Klar, die Mehrzahl von uns – auch die Älteren – surft regelmäßig im Internet und viele kennen eine Bank nicht mehr von innen. Bankgeschäfte werden online erledigt.

Dass aber von den 14- bis 45-Jährigen jeder Zweite E-Learning für die eigene Fortbildung nutzt, hat mich doch völlig überrascht. Übrigens auch alle anderen, die ich danach gefragt habe, wobei die Mehrzahl erst einmal mit dem Begriff gar nichts anfangen konnte. Auch nicht mit dem Begriff „Tutorial“.

In den USA ist das E-Learning wiederum so selbstverständlich, dass es schon kein Thema mehr ist. Dort sagt man meist auch nicht E-Learning, sondern Online-Class.

Richtig ist auch, dass man unter E-Learning ganz unterschiedliche Angebote versteht. Ich gebrauche es hier im Sinne einer Online-Class. Also Videofilme, in denen ein oder mehrere Personen bestimmte Inhalte vermitteln. Dabei sind die Trainer mal tatsächlich vor einem Publikum, haben also auch reale Schüler vor sich oder sie agieren ausschließlich für den virtuellen Zuseher.

Ein derartiges Angebot ist bei uns noch dünn gesät. Wenn überhaupt werden Videos geboten, die einfach während einer Vorlesung aufgenommen werden. Das Ergebnis ist dann mehr oder weniger gut. Meist ist es nur für Studenten gedacht, die sich eine Vorlesung so noch einmal anhören können.

Die deutschen Nutzer von E-Learning sehen sich deshalb einfach englischsprachige Online-Classes an. Und: sie bezahlen dafür. Das unterscheidet sie auch von der älteren Generation. Die ist es gewöhnt, Internet kostenlos zu nutzen und sich dann zu wundern, dass der Anbieter an den gewonnenen Daten oder der Werbung verdient. Ein bisschen einfältig aber kaum auszurotten.

Die Jungen bezahlen und erwarten dann auch sehr nutzenorientierte Inhalte. Ich habe im eigenen Bekanntenkreis mal gefragt, was die sich so ansehen, was sie lernen. Das ist jetzt also nicht repräsentativ. Die Auswahl hatte fast ausschließlich mit dem Beruf zu tun, manchmal auch mit der Freizeitbeschäftigung. Erstaunlich ehrgeizig sind da zum Beispiel Hobbyfotografen. Für die wird auch in deutscher Sprache schon einiges geboten.

Aber im Wesentlichen hatten alle im Sinn, sich für den Beruf weiter zu qualifizieren. Bevorzugt wurden dabei neue elektronische Anwendungen – also zum Beispiel Weiterentwicklungen bei der Nutzung von Social Media oder Google Analytics oder auch ganz branchenspezifischen Themen.

Ich habe mich natürlich auch bei Ärzten nach deren Internet-Fortbildung erkundigt. Da passiert noch erstaunlich wenig. Irgendwie ist die Idee in dieser Berufsgruppe noch gar nicht richtig angekommen, obwohl es hier viele Angebote gibt, die auch zertifiziert sind, also die wichtigen Fortbildungspunkte einbringt. Nur die jungen Ärzte, also z. B. Praxiseinsteiger, sind auch bei der Online-Fortbildung öfter unterwegs.

Übrigens, ich habe keinen getroffen, der unzufrieden war, mit dem was ihm geboten wurde, was er gelernt hat.

Sehr einheitlich waren auch die Antworten, warum es denn eine Internet-Fortbildung sein sollte.

Außer Frage steht, alle finden es gut, dann lernen zu können, wann sie wollen und wo. Klar, dass ist einer der Hauptvorteile.

Aber auch, dass man viel überflüssige Zeit spart. Eine junge Ärztin rechnete mir vor:

„Gehe ich in eine normale Fortbildung, muss ich schon für die Anreise hier in der Stadt 30 Minuten rechnen, 15 weitere Minuten bis ich im Raum bin. Dann kommt die Begrüßung: noch mal überflüssige 10 Minuten, die man sich eigentlich sparen kann.  

Wenn ich mir dann hinterher überlege, was wirklich wichtig war für mich bei zwei oder drei Stunden Fortbildung, also was mich wirklich weiter gebracht hat, waren es vielleicht zwanzig oder 30 Minuten. Von zu Hause weg war ich aber mehr als einen halben Tag.“

Ein riesen Pluspunkt für die Online-Class ist deshalb die gezielte Auswahl, die möglich wird, durch kurze Film-Einheiten. Neues und richtig Wichtiges kann man sich dann auch öfter ansehen.

Eine Freundin von mir hat das I-PAD auf dem Küchentisch wenn sie kocht und sieht sich ihre Tutorials einfach beim Gemüseputzen noch mal an. „Blöd wird’s nur, wenn die Pfanne schon brutzelt, dann versteht man nichts mehr.“